Donnerstag, 15. November 2007

Häufige Beschwerdebilder im Winter und ihre osteopathische Behandlung



In unseren Breitengraden ist mit dem Einsetzen der niedrigeren Temperaturen eine verstärkte Anzahl von Problemen im Schulter- und Nackenbereich festzustellen.

Bei vielen Menschen äussert sich dies in Schmerzen beim Drehen des Kopfes, starken Nackenschmerzen, nächtlichem Einschlafen der Hände oder beim Autofahren oder ähnlichen Tätigkeiten, Kopfschmerzen, plötzlich auftretendem Schwindel, Schmerzen beim Heben der Arme, Tennis- und Golferellenbogen und Sehnenscheidenentzündung am Unterarm.

Diesen ganzen Beschwerden liegt wohl als eine mögliche Ursache eine Fehlhaltung gepaart mit einem zu engen Schulter- Nackenbereich zugrunde und durch die Kälte zieht man nun zusätzlich die Schultern nach oben, da kann die Jacke noch so dick sein.

In einer gründlichen osteopathischen Eingangsuntersuchung von Betroffenen wird häufig festgestellt, dass schon mehrere funktionelle Grundprobleme vorliegen wie: nach vorne gezogene Schultern, leichter Rundrücken, Atmung nur oben im Brustkorb und nicht bis in die unteren Rippen, Nackenverspannungen usw.. Diese Symptome ist der Körper aus funktioneller Sicht in der Lage noch zu kompensieren, ohne dass beeinträchtigende oder bemerkenswerte Beschwerden auftreten.

Durch die dunkle und kalte Jahreszeit werden wohl die Schultern nach oben gezogen, der Organismus kann durch zusätzliche Infekte mit Husten oder Schnupfen geschwächt werden und die Stimmungs- und Immunlage des Körpers kann durch die früher einsetzende Dunkelheit bei vielen vermindert sein. Ein neuer Faktor für viele ist die Tatsache, daß durch das Fehlen des Schnees in unserer Region in den letzten Jahren die Dunkelheit deutlich intensiver ist.

In einem Modell vom Erkennen von Zusammenhängen bezogen auf den Menschen, müssen natürlich alle Faktoren in die Behandlung einbezogen werden.

In dem manuellen Konzept der Osteopathie, ist es wichtig, die Betroffenen insgesamt wieder aufzurichten. Dazu wird eine möglicherweise eingeschränkte Beweglichkeit oder Fixierung der Brustwirbelsäule mobilisiert und aufgelöst. Gleichzeitig wird die Muskulatur an der seitlichen Halswirbelsäule gedehnt, durch die die Blutgefässe und Nerven des Armes laufen und die hier abgeklemmt werden können. Zusätzlich wird der vordere Brust- und Schulterbereich gedehnt, damit die Schultern wieder nach hinten kommen. Versuchen Sie doch selbst einmal, mit nach vorne gezogenen Schultern den Arm zu heben- Sie werden merken, dass es viel schwerer und auch nur in kleinem Umfang geht-da muss es zu Problemen kommen!

Denn die Nacken- und Schulterverspannungen kommen vermutlich daher, dass die hintere Muskulatur die nach vorne eingefallenen Schultern halten muss und ständig angespannt ist. Dies wiederum kann wohl Schwindel und Kopfschmerzen verursachen, da am Ansatz der Muskulatur am Hinterkopf wichtige Gleichgewichtsrezeptoren vermutet werden und Nerven abgeklemmt und gereizt werden können.

So ist es nicht verwunderlich, dass angesichts der zunehmenden Hektik im Alltag und vermehrten ökonomischen Problemen und Zwängen eine Vielzahl von Menschen durch den Druck unter chronischen Verspannungen leidet. Durch die Anspannung der Muskeln wird sich versucht von den belastenden Problemen Erleichterung zu verschaffen.

Diese Körperhaltung belastet aber mehr den Organismus, als daß sie ihm hilft. Und so empfinden die Betroffenen das Lösen der körperlichen Spannungen nicht nur lokal, sondern insgesamt als ein inneres Gefühl der Entspannung, das auch dazu beiträgt, den Alltag wieder unbeschwerter leben und mögliche Auslöser für die Verspannungen bewältigen zu können.

Warum ein verspannter Nacken den Blutdruck erhöht

Die Halsmuskulatur reguliert unseren Blutfluss über Signale an das Gehirn

Ein internationales Forscherteam hat entdeckt, warum Probleme mit den Nackenmuskeln bei den Betroffenen den Blutdruck in die Höhe treiben können: Die Muskeln sind mit einem Gehirnareal verbunden, das eine der zentralen Kontrollstellen für autonome Funktionen wie Blutdruck, Atmung und Herzschlag beeinflusst. Ungewöhnliche Signale von der mit dieser Stelle verbundenen Muskulatur, etwa aufgrund einer Verspannung oder einer Verletzung, wirken sich daher auch auf den Blutdruck aus – ein Phänomen, das Osteopathen, Manualtherapeuten und Chiropraktiker in der Vergangenheit immer wieder beobachtet hatten.

Schon häufiger gab es Berichte darüber, dass sich durch das schnelle manipulative Lösen des Nackens, der im Volksmund als "Einrenken" bekannten technischen Vorgehensweise, der Blutdruck der Behandelten verringert. Woran das lag war bislang jedoch nicht bekannt. Zwar kennen Wissenschaftler bereits seit etwa einhundert Jahren die Stelle im Gehirn, in der die Signale der Nackenmuskeln ankommen: Es handelt sich um einen kleinen Teil des so genannten Nachhirns, also des Gehirnbereichs, der im Nacken in das Rückenmark übergeht. Wohin die Impulse von dort aus weitergeleitet werden, sei bisher kaum untersucht worden, erklärt Jim Deuchars, einer der Co-Autoren der Studie.

In ihrer Arbeit analysierten die Wissenschaftler nun das Nachhirn von Ratten und Mäusen und entdeckten, dass es von dort Verbindungen zu einer Hirnregion namens Nucleus tractus solitarii (NTS) gibt – und zwar sowohl solche, die andere Nervenzellen aktivieren, als auch solche, die andere Nerven hemmen können. Damit sei die Verbindung zwischen den Nackenmuskeln und dem Blutdruck gefunden, erklären die Forscher, denn der NTS war bereits früher mit der Regulierung von Atmung, Blutdruck und Herzschlag in Verbindung gebracht worden.

Eine solche Regulierung des Blutdrucks über die Nackenmuskulatur ist nach Ansicht der Wissenschaftler deswegen sinnvoll, weil der Blutfluss zum Gehirn unabhängig von der aktuellen Körperhaltung stets gleichbleibend gehalten werden muss. Da die Muskeln im Nacken im Liegen vollkommen anders belastet werden als im Sitzen oder im Stehen, eignen sie sich besonders gut dafür, dem Gehirn Veränderungen in der Haltung mitzuteilen. Störungen bei dieser Kommunikation könnten zum Beispiel die Ursache für die Schwindelgefühle sein, die häufig nach schnellem Aufstehen entstehen. Sie könnten auch viele der Beschwerden erklären, die häufig nach einem Schleudertrauma auftreten.

Ian Edwards (Universität Leeds) et al.: Journal of Neuroscience, Bd. 27, S. 8324

ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


Freitag, 2. November 2007

Embryologie in der Osteopathie

Die Rolle der Embryologie in der Osteopathie

Wer sich die Mühe macht und das Interesse hat, sich eingehender mit der Osteopathie zu beschäftigen, der wird immer wieder auf das Thema Embryologie in osteopathischen Schriften stossen. „Was hat die Embryonalentwicklung mit der Arbeit mit den Händen am Körper zu tun?“, fragt man sich unweigerlich. Denn ein Zusammenhang ist nicht erkennbar. Für eine Kinderbehandlung wäre es noch zu verstehen, aber was soll der embryologische Prozess für eine Rolle in der Behandlung eines erwachsenen Menschen spielen?...

Dazu muss man wissen, dass eine weit verbreitete Ansicht in der Osteopathie ist, dass alle späteren Bewegungen, die wir im Leben machen, vom Embryo im Mutterbauch sozusagen „geübt“ werden. Man geht davon aus, dass die Entwicklung des Embryos, das Auswachsen der Extremitäten, die Entwicklung der Organe, der Wirbelsäule und einzelnen Funktionssysteme nur eine Vorstufe zum späteren Funktionieren darstellt. Der Embryo kann nicht sprechen, nicht denken, aber er vollzieht Formen, indem er sich entwickelt. Für viele Osteopathen stellt dieses, sozusagen „nach innen“ gerichtetes Handeln, menschliches Verhalten dar. Es geschieht etwas im Embryo, das in der Osteopathie für sehr wichtig erachtet wird, da es später eine Rolle spielt, wenn ein osteopathisch arbeitender Therapeut die Selbstheilungskräfte in einem Patienten aktivieren will.

So organisieren und entwickeln sich die Organe in einer bestimmten Art und Weise. Die Leber beispielsweise ist ein Organ, welches sich einfach ihren Platz im Körper nimmt, während hingegen die Milz an ihren Platz geschoben wird. Auch vollführen die Organe, bis sie an ihrem endgültigen Platz angelangt sind, Drehungen und Verschiebungen. Das Herz beispielsweise kommt aus dem Kopf und wandert dann nach unten in den Brustkorb. Deswegen gibt es unter anderem immer noch Nervenverbindungen aus dem Kopfbereich zum Herzen. Ein wichtiger Nervenzellkörper liegt bei uns immer noch vor der ersten Rippe, am Ende des Halses und hier kann es bei Blockaden der ersten Rippe durch Reizung dieser Nerven zu Herzbeschwerden kommen, weil Fehlinformationen weitergeleitet werden. Dann wird bei sämtlichen Herzuntersuchungen nichts gefunden und niemand kommt auf die Idee, dass die Ursache rein mechanischer Natur ist.

Weiterhin meinen einige Osteopathen, dass die Bewegungen, die die Organe in der Embryonalentwicklung vollführen, später im Körper nachzuvollziehen und zu erspüren sind. Es gibt bisher keinen wissenschaftlichen Beweis für diese Theorie, aber selbst im offiziellen deutschen Leitfaden für Osteopathie der inneren Organe sind für jedes Organ diese definierten Bewegungen jeweils aufgeführt. Es wird davon ausgegangen, dass die Embryonalentwicklung bestimmten Gesetzmässigkeiten folgt und diese bis an unser Lebensende weiter gelten. Also versucht eine osteopathische Behandlung, es dem Organismus zu ermöglichen, diese Ordnung wiederherzustellen, bzw. ihr folgen zu können.

Kiefergelenk und Osteopathie

Das Kiefergelenk

Das Kiefergelenk ist ein wichtiges Gelenk in unserem Körper, da es mit überaus starker Muskulatur ausgestattet ist, viele Rezeptoren besitzt und sehr komplexe Funktionen erfüllen muss. Es hat mehr als andere einen sehr starken Einfluss auf die gesamte Körperstatik und kann vielfältige Probleme verursachen.

Grund genug, ein paar Hintergrundinformationen zu diesem Bereich zu betrachten.

Das Gelenk besteht aus zwei Knochen: Dem Schläfenbein, das die Gelenkpfanne bildet und dem Unterkiefer, dessen Fortsätze im Gelenk sitzen. Die Gelenkflächen von Unterkiefer und Schläfenbein sind sehr unterschiedlich und ungleichmässig und die Gelenkkapsel ist sehr locker. Dadurch kann das Kiefergelenk sehr komplexe Bewegungen ausführen und ist sehr beweglich. Da der Unterkiefer im Grunde genommen nur von unten in das Schläfenbein reingeschoben ist, gibt es einen Halteapparat, der aus Muskeln und Bändern besteht. An der Seite gibt es ein sehr starkes Band, das das Rausgleiten des Unterkiefers aus der Pfanne nach vorne und zur Seite verhindert. Desweiteren gibt es im Gelenk selbst einen Meniskus- eine Knorpelscheibe-, der das so häufige Problem des „Knackens“ bei Mundöffnung oder- schliessung verursacht. Er hat eigentlich die Aufgabe, die Ungleichheiten und Grössenunterschiede der beiden Knochen auszugleichen. So wird die Druckverteilung verbessert, da das Gelenk während der Kauphasen starken Kräften und Belastungen ausgesetzt ist.

Der Vorgang des Mundöffnens und – schliessens ist ein recht komplizierter Vorgang, an dem viele unterschiedliche Muskeln in der Region beteiligt sind. Dabei müssen der besagte Meniskus und der gelenkbildende Teil vom Unterkiefer zusammenspielen. Oft ist das harmonische Zusammenspiel der beiden gestört und es kommt in der Folge zu Beschwerden oder Geräuschen im Kiefergelenk.

Auslösende Faktoren für die Entstehung einer Störung sind meist Stürze oder Schläge auf das Gesicht, extreme Mundöffnungsbewegungen (evtl. bei langandauernden zahnärztlichen Eingriffen), schlechte Kau- und Schluckgewohnheiten, Störungen der Zähne und natürlich Einflüsse der umgebenden Regionen: Bei einer Störung der Nasenatmung beispielsweise verändern sich Lippen- und Zungenposition, der Unterkiefer wird meist leicht heruntergezogen und die Halswirbelsäule wird überstreckt und das Kiefergelenk hiervon in Mitleidenschaft gezogen. So können sich auch Probleme des Schultergürtels und des Beckens über Muskeln und Halswirbelsäule auf das Kiefergelenk auswirken.

Auch stress- oder psychisch bedingte Problematiken haben Einfluss, wie das Nägel- und Kaugummikauen, das nächtliche Zähneknirschen oder Zusammenpressen der Zähne tagsüber.

Wenn Beschwerden am, durch oder in der Region des Kiefergelenks bestehen, dann spricht man von der sogenannten „Kraniomandibulären Dysfunktion (KMD)“. Eine einheitliche Definition dieses Begriffes gibt es aber nicht.

In einer osteopathischen Untersuchung kann alleine schon der Zeitpunkt des Auftretens eines Kiefergelenksknackens Aufschluss über die Lokalisation geben: Wenn ganz am Anfang oder in der Mitte der Mundöffnung ein Knacken auftritt, dann ist der Meniskus betroffen. Tritt das Knacken gegen Ende der Mundöffnung auf und am Ende des Schliessens, so handelt es sich um eine übertriebene Beweglichkeit oder eine Auskugelung. Bei einem hellen und lauten Knacken handelt es sich um ein Problem der Bänder am Kiefergelenk. Bei Reibegeräuschen sind meist eher die Knochen oder der Knorpel betroffen.

So kann ein geübter Osteopath schon alleine durch das Auftreten der Geräusche eingrenzen, worum es sich handelt. Weiterhin wird getestet, wie weit jemand überhaupt den Mund öffnen kann. Auch das Gelenk, das umgebende Gewebe und die versorgenden Gefässe werden auf Spannungen oder Schmerzhaftigkeit untersucht.

Anschliessend wird versucht, alle Befunde zu integrieren und zu schauen, wie sich das Kiefergelenk zum Rest des Körpers verhält. Denn es kann ja auch sein, dass ein Beckenschiefstand oder eine Problematik der Halswirbelsäule vorliegt und die Kieferprobleme nur eine Erscheinung davon sind. Um unterscheiden zu können, ob die Ursache vom Kiefergelenk oder anderen Strukturen ausgeht, werden Spannungen oder Asymmetrien im Körper gesucht. Anschliessend wird auf einer oder auf den beiden hinteren Zahnreihen etwas untergelegt. Die Erhöhung muss mindestens 3mm dick sein. Nun schaut der Osteopath, ob sich die Asymmetrien oder Bewegungseinschränkungen ausgleichen. Gleichen sie sich aus, so kann man davon ausgehen, dass das Kiefergelenk die Ursache ist und man hier weiter untersuchen muss.

Oftmals sind die Beschwerden schon so fulminant, dass eine parallele kieferorthopädische Behandlung vonnöten ist. Hier arbeiten dann beide Methoden Hand in Hand. Auch zwischen Zahnärzten und Osteopathen ist in den letzten Jahren eine verstärkte Zusammenarbeit zu verzeichnen.

Grundsätzlich gilt auch beim Kiefergelenk, dass je länger die Beschwerden bestehen, desto schlechter die Prognose ist. Deswegen ist es meist sinnvoll, sich schon beim ersten Auftreten von Symptomen zeitnah in die Hände eines Osteopathen zu begeben.

Donnerstag, 1. November 2007

Was ist Osteopathie?

Viele wissen von der Osteopathie nur als eine Methode, die neben dem Bewegungsapparat auch die Organe und das Nervensystem behandelt und daß die ausübenden Therapeuten sehr stark mit der Visualiserung arbeiten und den ganzen Organismus untersuchen und gegebenfalls behandeln.
Doch die Osteopathie ist mehr. Der Begründer, Arthur Taylor Still, hat sie ursprünglich als einen Gegenentwurf zum vorherrschenden medizinischen Denken ins Leben gerufen. Er war der Meinung, daß nicht nur das zählt, was wir sehen, wissenschaftlich untersuchen, darstellen und begründen können. Sondern daß es noch etwas Anderes gibt, was unser Leben ausmacht und was auch bei einer Behandlung zu berücksichtigen ist.
Er wollte eine Verbindung zwischen dem vorherrschenden mechanistischem und materialistischem Denken in der Medizin und dem Vitalismus schaffen- und nannte seine Idee Osteopathie.
Dieser grundsätzliche Anspruch Stills wird häufig vergessen und abgetan.